Immunhistochemie

Gezielte Marker – präzisere Diagnosen.

Die Immunhistochemie (IHC) ist ein zentrales Werkzeug der modernen Pathologie. Sie nutzt antikörperbasierte Färbemethoden, um bestimmte Proteine – sogenannte Oberflächenmarker, Rezeptoren oder Antigene – direkt im Gewebe sichtbar zu machen.

So lassen sich Tumoren nicht nur klassifizieren, sondern auch in ihrer Biologie und Therapierbarkeit gezielt bewerten.

🎯 Wann kommt Immunhistochemie zum Einsatz?

1. Tumoridentifikation bei unklarer Herkunft (CUP)

Bei Metastasen, deren Ursprung nicht bekannt ist, helfen immunhistochemische Marker, die Tumorherkunft einzugrenzen.

2. Subklassifizierung ähnlicher Tumoren

Ein Beispiel: Non-Hodgkin-Lymphome sehen mikroskopisch oft ähnlich aus – können aber mithilfe spezifischer Antikörper differenziert diagnostiziert werden.

3. Therapieentscheidung bei bekannten Diagnosen

Bestimmte Marker beeinflussen die Wahl der Therapie – etwa bei Brustkrebs oder GIST:

  • HER2/neu, Östrogen- (ER) und Progesteronrezeptoren (PR) beim Mammakarzinom
  • CD20 bei Non-Hodgkin-Lymphomen
  • CD117 / c-KIT beim gastrointestinalen Stromatumor (GIST)

Nur wenn der Tumor bestimmte Zielstrukturen aufweist, ist z. B. eine Antikörpertherapie mit HERCEPTIN (bei HER2-positivem Brustkrebs) sinnvoll.

🧪 Qualität und Standardisierung im Institut Celle

Am Pathologischen Institut Celle stehen zahlreiche diagnostische Antikörper für unterschiedlichste Fragestellungen zur Verfügung. Unsere Diagnostik erfolgt nach höchsten Qualitätsstandards:

  • Verwendung definierter „on-slide“-Kontrollen mit Zellkulturen (entwickelt an der MHH Hannover)
  • Regelmäßige Teilnahme an nationalen Ringversuchen zur Standardisierung (z. B. für HER2, ER, PR, Ki-67)
  • Quantitative und qualitative Bewertung der Färbung durch erfahrene Patholog:innen

Diese Standardisierung ist entscheidend, da kleine Unterschiede in der Färbereaktion große Auswirkungen auf die Therapieentscheidung haben können.

📷 Beispiel: Immunhistochemie bei Brustkrebs (Mammakarzinom)

Ein Tumorpräparat zeigt eine starke, vollständige membranöse Anfärbung (3+) mit dem Antikörper A0485 (DAKO).

Dies spricht für eine HER2-Überexpression – eine Voraussetzung für die Therapie mit HERCEPTIN.

💰 Kostenvergleich:

  • Immunhistochemischer HER2-Test: 37,95 € (nach GOÄ)
  • HERCEPTIN-Therapie: ca. 2.000 € pro 3-Wochen-Zyklus – oft über Jahre hinweg

👉 Nur ein präziser immunhistologischer Nachweis rechtfertigt diese hochspezialisierte Therapie – und stellt sicher, dass Patientinnen zielgerichtet und wirksam behandelt werden.

🧠 Fazit

Die Immunhistochemie liefert heute entscheidende Informationen für die onkologische Diagnostik und Therapieplanung. Sie ergänzt die klassische Histologie um molekulare Details – und macht damit eine personalisierte Medizin erst möglich.